Vortragsvideo: Resilienz und Fürsorge

Posted on Sep 19, 2014

Fee Rojas, Psychotherapeutin und Journalistin, erklärt in ihrem Vortrag die Bedeutung von Resilienz und sekundärer Traumatisierung. Resilienz sei nicht nur „Widerstandskraft“, sondern auch, “die Fähigkeit wieder aufstehen zu können”. Rojas erklärt, wie ein  Journalist vor, während und nach Extremsituationen auf sich achten sollte.

Sie beginnt ihren Vortrag mit einem Rückblick auf die erste Konferenz zu Trauma und Journalismus in Deutschland, die sie 2006 in Hannover organisiert hat.

In Zusammenarbeit mit den Teilnehmern der Fortbildung wurde nach diesem Vortrag ein “Ressourcenkoffer”  erstellt, welcher dazu dienen soll, sich unterstützende Maßnahmen bewusst zu machen. Dies kann jede und jeder für sich selbst auch tun: Nehmen Sie einen Zettel und schreiben Sie auf, was sie vor einem belastenden Einsatz tun sollten (z.B. ausreichend Wasser mitnehmen), was Sie während eines Einsatzes beachten sollten und was Ihnen hilft (z.B. Pausen machen, einen Talisman in der Tasche haben) und was Ihnen nach einer Streßsituation hilft (z.B. Sport, ein Lieblingsfilm, Schokolade oder Kochen für Freunde). Dieser Zettel kann Ihnen helfen, sich zu erinnern, was Ihnen gut tut, wenn sich im Kopf alles dreht.

Dieser Vortrag wurde während der Fortbildung des Dart Centres in Rendsburg im Dezember 2013 aufgenommen.

Zusammenfassung:

  • Sekundäre Traumatisierung:  wird auch „stellvertretende Traumatisierung“ genannt. Sie kann eintreten, wenn man häufig mit traumatisierten bzw. belasteten Menschen zusammen ist und evtl. deren Symptome übernimmt. Fee Rojas erläutert, warum ein Trauma „ansteckend“ ist, und erklärt, was im Körper während der sekundären Traumatisierung geschieht und wie es unser Verhalten beeinflusst. (08:10)
  • Bei einer sekundären Traumatisierung kann es zur Dissoziation kommen,  einem geistigen “Aussteigen” aus einer Situation bis hin zu einem Gefühl von „innerer Taubheit“. Dieser psychische Mechanismus schützt uns vor zu großen Belasungen, verhindert aber unter Umständen auch , dass wir das traumatische Ereignis einordnen und verarbeiten können. Fee Rojas geht auf diesen Mechanismus näher ein. (17:00)
  • Wie kann man der sekundären Traumatisierung vorbeugen oder damit umgehen? Rojas zeigt Beispiele auf und gibt Tipps: Bewegung baut Stress ab, so kann es auch während eines Interviews hilfreich sein, spazieren zu gehen. Für Journalisten ist es oft hilfreich, die Geschichte aufzuschreiben, den Bericht zu produzieren oder die Bilder auszuwählen. Diese Kontrolle/Gestaltungshoheit kann bereits als Bewältigungsstrategie dienen. (25:35)
  • Wenn Situationen „sprachlos“ machen: Manchmal muss man akzeptieren, dass Worte fehlen, weil das Sprachzentrum vor lauter Stress gelähmt ist. Es gibt Momente, die so stressbelastet sind, dass nicht einmal eine Beschreibung möglich ist oder zu sein scheint. (29:30)
  • Fee Rojas spricht über die sogenannten „First Responder“, also Einsatzkräfte oder Journalisten, die als erstes am Ort des Geschehens ankommen. Sie sind häufig deshalb selbst gefährdet, weil sie noch nicht konkret helfen können, sondern warten müssen, bis die Rettungsmaßnahmen angelaufen sind. Durch die Möglichkeit, praktisch etwas tun zu können, bekommt man die „Verwirrung der Sinne“ in den Griff.  Für Kameraleute ist es zum Beispiel sehr belastend, wenn sie schlimme Bilder aufnehmen mussten, die dann vielleicht nie gesendet werden. Die Sinnlosigkeit der Belastung kann schädliche Folgen haben. (32:10)
  • Flashbacks: Manchmal können traumatisierte Menschen nicht wahrnehmen, dass sie jetzt in Sicherheit sind. Ihre ganzen Körperempfindungen gaukeln ihnen vor, dass sie noch in großer Gefahr und Streß sind. Es gibt Techniken, die Menschen (oder sich selbst) wieder im “Hier und Jetzt” zu verorten. Diesen Prozess können Journalisten (auch Kamerateams, Fotografen etc.) mit recht einfachen Mitteln unterstützen, z.B. wenn ein solcher Flashback während eines Interviews passiert. (33:33)
  • Am Ende gibt Fee Rojas eine Buchempfehlung für die Stärkung der eigenen Resilienz: Gunther Frank/Maja Storch, “Die Manana-Kompetenz”, Piper-Verlag München, 2011 (40:21)

 

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  • Buchempfehlung: Gunther Frank/Maja Storch, "Die Manana-Kompetenz", Piper-Verlag München, 2011
 

Vertiefung: Wie würden Sie die folgenden Fragen beantworten?

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1. Kann ein Trauma "ansteckend" sein?

2. Was bedeutet das Wort "Resilienz"?

3. Wie kann man sich vor einer Traumatisierung schützen?